Kredit mit Bürgen: Eine beliebte aber riskante Finanzierung

Kredit oder DebitkarteBürgen einzusetzen ist oftmals der einzige Weg einen Kredit zu erhalten. Während Existenzgründer sich noch auf Bürgschaftsbanken stützen können, bleibt vielen Privatpersonen nur ein privater Bürge. Doch welche Konsequenzen können Bürgschaften für den Bürgen, den Hauptschuldner und deren Beziehung haben?

 

Alle Fakten zum Ratgeber „Kredit mit Bürgen“ im Überblick:

  • Bei einer Bürgschaft garantiert eine dritte Person im Falle der Zahlungsunfähigkeit für die Verpflichtungen des Schuldners aufzukommen.
  • Der Bürge kann sein gesamtes Vermögen verlieren.
  • Bürgen werden eigesetzt, wenn kein regelmäßiges Einkommen und nicht genügend Sicherheiten bestehen.
  • Der Bürge ist durch den Gesetzgeber in Sonderfällen geschützt.

Doch was für Möglichkeiten stecken hinter den Angeboten für Kredite mit Bürgen? Unser Ratgeber zum Thema Kredit mit Bürgen verrät es!

Inhaltsverzeichnis

  • 1. Was ist eine Bürgschaft?
  • 2. Was kann dem Bürgen schlimmstenfalls passieren?
  • 3. Wann werden Bürgschaften eingesetzt?
  • 4. Vor- und Nachteile einer Bürgschaft
  • 5. Das Fazit: Bürgschaften sind Vertrauenssache

1. Was ist eine Bürgschaft?

icon_FAQsIm Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ist die Bürgschaft in § 765 Absatz 1 wie folgt definiert:

„Durch den Bürgschaftsvertrag verpflichtet sich der Bürge gegenüber dem Gläubiger eines Dritten, für die Erfüllung der Verbindlichkeit des Dritten einzustehen.“

Verständlicher gesprochen bedeutet es, dass der Bürge einen Kredit ausbezahlen muss, wenn der eigentliche Schuldner zahlungsunfähig ist. Mittels einer zuvor festgelegten Bürgschaft wird dem Gläubiger garantiert, dass der Kredit im schlimmsten Fall durch den Bürgen zurück erstattet wird.

Und genau da beginnt für viele das Problem. Zunächst muss jemand gefunden werden, der aufgrund seiner Kreditwürdigkeit überhaupt als Bürge in Frage kommt. Und dann muss man sich genau überlegen, ob man zu dieser Person ein solches Abhängigkeitsverhältnis aufbauen möchte.

Ist diese Möglichkeit dem Schuldner nicht vergönnt, da er keinen Bürgen in seinem Umfeld finden kann und / oder will, bietet sich für Existenzgründer im Mittelstand eine andere Alternative an. Gerade bei berufsbedingten Krediten ist von einer Bürgschaft durch Privatpersonen abzuraten, da man hier auch unverschuldet in Not geraten kann. Betriebe im Mittelstand, die erst noch gegründet oder übernommen werden sollen, können über sogenannte Bürgschaftsbanken abgesichert werden. Bürgschaftsbanken gibt es in jedem deutschen Bundesland und sie gelten als vollwertige Sicherheit für Banken und andere Kreditinstitute.

An ihr beteiligen sich Handwerkskammer, Kammern der Freien Berufe, Wirtschaftsverbände und Innungen, Banken und Sparkassen und Versicherungsunternehmen. Zudem hat der Staat großes Interesse daran, den Mittelstand zu stärken und steht dementsprechend hinter der Bürgschaftsbank.

Gerade für Existenzgründer ist es ein Ausweg auch ohne Sicherheiten an ausreichende Kredite zu gelangen. Im Regelfall sollten seriöse Kreditinstitute den Kreditnehmer auf diese Möglichkeit hinweisen. Immerhin ist es auch in ihrem Interesse einen Kunden zu gewinnen und die Absicherung zu gewährleisten. Von einem starken Mittelstand profitieren auch die Banken.

2. Was kann dem Bürgen schlimmstenfalls passieren?

icon_VerbrauchertippsBürgschaftsbanken sind im Zahlungsausfall auch noch über den Staat rückverbürgt. Dadurch erhalten die Gläubiger in jedem Fall ihren gewährten Kredit rückerstattet. Anders sieht es im Fall von privaten Bürgen aus. Diese haften zumeist mit ihrem privaten Besitz. Nicht selten haben sie in diesem Zusammenhang ihr Wohneigentum als Sicherheit hinterlegt (Lesen sie auch: Was ist ein Eigentümerdarlehen). Dieses muss bei Zahlungsunfähigkeit nun der Bank überlassen werden.

Natürlich hat der Bürge nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte. Diese sind im Bürgerlichen Gesetzbuch in den Paragraphen §§765 bis 778 geregelt. Hiernach hat der Bürge durchaus das Recht die Zahlung zu verweigern. Dies gilt jedoch nur, solange der Hauptschuldner sich noch im Rechtsstreit mit dem Gläubiger befindet oder noch keine Zwangsvollstreckung beim Hauptschuldner stattgefunden hat (§§770,771 BGB).

Dieses Recht besteht laut §773 Absatz 1 Satz 1-4 BGB allerdings nicht, wenn der Bürge auf den Einwand (hier genannt „Einrede“) verzichtet, die Rechtsverfolgung des Hauptschuldners durch eine Flucht oder ähnliches erschwert wird, das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Hauptschuldners eröffnet wurde oder abzusehen ist, dass die Insolvenzmasse zur Befriedigung des Gläubigers nicht ausreichen wird.

Das bedeutet, dass nach deutscher Rechtsprechung der Bürge für den Schuldner einzustehen hat, falls dieser seinen schriftlich festgehaltenen Leistungen nicht mehr nachkommen kann. Ist der Bürge selber nicht in der Lage diesen Kredit aus der Portokasse zu zahlen, ist er dazu verpflichtet seine Sicherheiten abzutreten.

Verlauf der Schuldenpfändung über den Schuldner zum Bürgen.

Schlimmster Fall, der für den Bürgen eintreffen kann.

§ 775 Absatz 1 Satz 1-4 hält jedoch noch ein paar Möglichkeiten für den Bürgen bereit, sich von der Bürgschaft zu befreien. Diese Möglichkeit ist gegeben, wenn sich die Vermögensverhältnisse des Hauptschuldners wesentlich verschlechtert haben, wenn der Schuldner unbekannt verzogen ist, sobald er mit seinen Hauptverbindlichkeiten in Verzug ist oder wenn der Gläubiger das Urteil vollstrecken und die Schulden eintreiben möchte.

Wie und wann diese Gesetze genau greifen, kann man bei einem professionellen Rechtsbeistand in Erfahrung bringen. Da sich die Bedingungen in einigen Punkten widersprechen, ist es je nach Fall und Güte der Rechtsanwälte unterschiedlich, welches Gesetz greifen kann.

In der Regel sind die Kreditgeber jedoch inzwischen so vorsichtig, dass sie sämtliche Eventualitäten in ihre Bürgschaftsverträge mit einbauen. Als Bürge ist es enorm wichtig, auch das Kleingedruckte genau zu lesen. Am besten lässt man einen unparteiischen Rechtsbeistand noch einmal über die Verträge gucken, ehe man den Vertrag unterschreibt.

Im Zweifel sind immer auch noch die Tatbestände der Sittenwidrigkeit oder der Verjährung zu hinterfragen. Dies trifft dann zwar den Gläubiger, aber der Bürge kann sein Hab und Gut eventuell schützen.

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3. Wann werden Bürgschaften eingesetzt?

icon_ChecklisteBürgschaften werden immer dann eingesetzt, wenn die Kreditwürdigkeit des Hauptschuldners nicht ausreicht, um einen Kredit zu erhalten und nicht genügend Sicherheiten vorliegen, um diesen Mangel auszugleichen. Kreditinstitute haben ein Interesse daran Kredite nur an Schuldner zu vergeben, die auch tatsächlich in der Lage sind, für die Tilgungsraten aufzukommen. Ist das Risiko auf Zahlungsunfähigkeiten aus Sicht der Kreditinstitute zu hoch, werden sie auch trotz Bürgen keinen Kredit gewähren.

Gründe, eine Bürgschaft einzufordern

Voraussetzungen, die eine Bürgschaft erforderlich machen

Die Bürgschaft greift nur in den Fällen, wenn laut gesundem Hausverstand eine Kredittilgung ohne weiteres möglich wäre, die Rückzahlung aber durch unvorhergesehene Unglücke wir Krankheit, Tod oder Wirtschaftskrise gefährdet werden könnte. Im Fall von Existenzgründern besteht ohnehin die Möglichkeit der Bankbürgschaft, womit der größte Unsicherheitsfaktor im Bankgeschäft – die Selbstständigkeit mittelständischer Unternehmen – abgedeckt wird. Klein- und mittelständische Unternehmen können bereits durch die fehlende Zahlungsmoral einiger Kunden in Zahlungsverzug geraten.

4. Vor- und Nachteile einer Bürgschaft

icon_vorlage_musterEs gibt kaum Sprichwörter, die nicht aufgrund ihres Wahrheitsgehalts bereits seit Jahrhunderten weitergereicht werden. So auch: „Bei Geld hört die Freundschaft auf“. Nun mag der ein oder andere die Stirn kräuseln und den Kopf schütteln, doch es ist und bleibt eine vielbeobachtetes Phänomen.

Wenn es um Geld geht, müssen Bürge und Kreditnehmer charakterlich dazu geeignet sein. Das bedeutete zunächst, dass beide die Bürgschaft als Geschäft wahrnehmen und nicht als Freundschaftsdienst. Denn dann würde die Gefahr von Demutshaltung des Schuldners oder einer überzogenen Erwartungshaltung des Bürgen bestehen.

Zudem kann ein Bürge, dessen Existenz vom Wohlverhalten des Schuldners abhängt, anfangen seine Umgebung genau zu beobachten und ein Mitspracherecht einzufordern. Er fängt vielleicht an, sich in das Kaufverhalten einzumischen, gibt ständig Spartipps und fragt unter Umständen monatlich, ob denn auch die Ratentilgung erfolgt ist.

Anders herum ist es auch möglich, dass der Bürge keinen Gedanken mehr daran verschwendet und der Gläubiger solche Gefühle und Mutmaßungen in ihn hinein interpretiert. Der Schuldner zieht sich zurück und meidet den Kontakt, da er den Bürgen nur noch als Damokles-Schwert über sich sieht.

Wenn beide noch nicht in einer solchen Situation gesteckt haben, ist es natürlich schwierig, sich darüber im Klaren zu sein, ob die Charaktere dafür geeignet sind. Eine Grundtendenz ist aber vermutlich auch ohne Bürgschaft bereits zu erkennen.

5. Das Fazit: Bürgschaften sind Vertrauenssache

icon_FazitDie Bank prüft auch den Bürgen auf Herz und Nieren und vor allem auf seine Kreditwürdigkeit. Im Notfall haften diese schließlich auch mit Hypotheken (Hypothekendarlehen)auf ihre Häuser und überlassen die Verantwortung somit dem Hauptschuldner als Sicherheit.

Einen Bürgen einzusetzen bringt eine unheimlich große Verantwortung gegenüber dem Bürgen mit sich. Bürgen, die in einem engen emotionalen Verhältnis zum Hauptschuldner stehen, werden daher ausgeschlossen. Solche Bürgschaften gelten als sittenwidrig, da davon ausgegangen werden kann, dass diese Personen selten die gesamte Sachlage überblicken.

Im Ernstfall stehen dem Bürgen zwar mit einem guten Rechtsanwalt noch einige rechtliche Kniffe zur Verfügung, doch allzu große Hoffnungen sollten hier nicht hineingelegt werden. Mit der Unterschrift unter einen Bürgschaftsvertrag geht der Bürge eine Pflicht gegenüber dem Gläubiger ein. Diese gilt es im Schadensfall zu erfüllen.

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