Der Kreditvertrag: die Geber und Nehmer eines Kredits

Geber und Nehmer eines KreditsSeit Anbeginn der Tausch- und Geldgeschäfte gibt es Menschen, die mehr Ware oder Geld haben als andere. So entstanden bereits in frühester Zeit Kreditgeschäfte. Diejenigen, die mehr haben, geben denen, die weniger haben etwas ab und bekommen dafür etwas Größeres zurück. In Zeiten von Hungersnöten, Dürreperioden und Krieg ist das auch nachvollziehbar. Doch was treibt die Menschen heute dazu an ihr Geld zur Verfügung zu stellen und warum leihen sich andere dieses Geld?

Alle Fakten zum Ratgeber „Kredit nehmen und geben“ im Überblick:

  • Kredite können aufgrund von sozialer Motivation vergeben werden.
  • Mit der Vergabe von Krediten kann ein höherer Habenzins erzielt werden als bei klassischen Geldanlagen.
  • Privatleute nehmen Kredite auf, da ihr Kapital nicht zur Verwirklichung ihrer Konsumwünsche ausreicht.
  • Unternehmen können mit geliehenem Geld in lohnenswerte Projekte investieren.

Wer ist der Kreditnehmer und wer der Kreditgeber – das regelt der Kreditvertrag! Unser Ratgeber zum Thema Kredit nehmen und geben verrät Details!

Inhaltsverzeichnis

  • 1. Warum einen Kredit vergeben?
  • 2. Warum einen Kredit aufnehmen?
  • 3. Rechtliche Grundlagen von Kreditverträgen
  • 4. Das Fazit: Bei Kreditverträgen kann es Win-Win-Situationen geben.

1. Warum einen Kredit vergeben?

icon_VerbrauchertippsAls Kreditgeber auf dem Markt aufzutreten hat manchmal etwas mit sozialem Denken zu tun, weil man zum Beispiel dem Freund aus einer finanziellen Notlage helfen möchte. Hier gewährt man ihm dann einen Kredit, der weit unter dem Sollzins liegt. Menschen die zu viel Geld haben, fördern eventuell auch benachteiligte Personen mit einem zinsgünstigen Kredit.

Allen in allem ist das aber eher die Ausnahme. Die meisten Kreditgeber wollen mit dem Verleihen von Geld auch selber Geld verdienen. Ähnlich wie in einem Geschäft die Preisetiketten funktionieren, arbeiten Kreditgeber mit Zinsen. Zinsen sind nichts anderes als der Preis für das Verleihen von Geld. Deshalb ist der zurückgezahlte Betrag auch immer größer als der erhaltene Kreditbetrag. Natürlich wird dadurch auch die über einen längeren Zeitraum bestehende Inflation ausgeglichen. Doch der Großteil der Zinszahlungen ist der Preis, den der Kreditnehmer für den Kredit zu zahlen hat.

Geht man beispielsweise von einem Kredit über 20.000 Euro aus, bei einem Gesamteffektivzins von 8 Prozent, muss der Kreditnehmer am Ende der Laufzeit 1.600 Euro zahlen. In diesem Betrag ist die Inflation von durchschnittlich 2 Prozent enthalten. Dieser Wertverlust würde nach einem Jahr aber nur 400 Euro ausmachen und keine 1.600 Euro. Die Differenz von 1.200 Euro ist der Preis, den der Kreditnehmer für den Kredit zu zahlen hat.

Private Kreditgeber sprießen immer dann wie Pilze aus dem Boden, wenn der Habenzins für Kapitalanlagen auf dem Markt besonders gering ist. Habenzins ist der Preis, den ein Kapitaldienstleister für das Geld bezahlt, während Sollzins der Preis ist, den ein Kreditnehmer dem Kapitaldienstleister für das Geld bezahlen muss.

Der Vergleich hinkt, aber man stelle sich das Geld als Rohstoff vor, welches von den Kapitaldienstleistern für den Habenzins eingekauft wird. Um das Geld an Kreditnehmer zu verleihen, muss ein gewisser Aufwand betrieben werden. Die Kreditwürdigkeit muss überprüft werden, Gespräche müssen geführt und bürokratischer Aufwand betrieben werden. Dies lassen sich die Kapitaldienstleister durch einen höheren Sollzins bezahlen. Wie der Weizen, der erst durch das Mahlen zu Mehl wird. Dies lässt sich der Müller schließlich auch bezahlen.

Da gehen einige Kreditgeber lieber den direkten Weg und suchen den Kontakt zu potenziellen Kreditnehmern. Dies kann über Kredit-Portale erfolgen. Hier schildern Kreditnehmer ihre Situation und hoffen darauf Geldgeber zu finden. Innovative Ideen können so gefördert werden und unter Umständen entsteht auch eine längerfristige Zusammenarbeit. Andere benötigen das Geld schlicht zum Kauf einer neuen Küche und erhalten von der Bank aufgrund fehlender Sicherheiten keinen Kredit. Hier ist das Risiko für den Kreditgeber erhöht, doch er kann auch Zinsen verlangen, die über dem marktüblichen Sollzinssatz liegen.

Eine Spanne zwischen Soll- und Habenzins gibt an, in welchem Bereich alle profitieren.

Die Spanne zwischen Haben und Soll als Motivation

Im Endeffekt wird der aufgeklärte Kreditgeber nur Kreditverträge eingehen, bei denen er mehr Zinsen erzielt als die Kapitaldienstleister ihm bieten. Denn auch wenn selbst ein rationaler Kreditgeber Befriedigung erfährt indem er eine „gute Tat“ tut und kreditunwürdigen Personen Geld leiht, es ist und bleibt ein Risiko. Kapitalanbieter haben im Laufe der Jahrhunderte Strategien, Modelle und Konzepte entwickelt um sich vor Verlusten zu schützen. Der Privatmann steht mit seinen potenziellen Verlusten alleine da.

2. Warum einen Kredit aufnehmen?

icon_FAQsEinen Kredit aufzunehmen kann aus Gründen der Not erforderlich sein oder auch ein rational kalkuliertes Geschäft sein. Getreu dem Motto „Jeder gute Kaufmann hat Schulden“ können die Beweggründe auch rein finanzwirtschaftlicher Natur sein.

Müssen Privatleute auf einen Kredit zurückgreifen, liegt es zumeist daran, dass sie ein Konsumziel verfolgen, welches sie mit ihren eigenen Mitteln nicht befriedigen können. Einfach ausgedrückt, möchten diese Personen gerne einen neuen Herd kaufen, das gesparte Geld reicht aber nicht aus, weshalb sie sich Geld bei einem Kreditgeber leihen müssen. Ob es sich nun wirklich um einen Herd, ein Auto oder ein Haus handelt, ist vom Prinzip her irrelevant.

Viele Kreditgeber verlangen zur Gewährung eines Kredits das Vorhandensein von Eigenkapital. Hiermit muss der Kreditnehmer bereits im Vorfeld bewiesen haben, dass er zum Sparen imstande ist und er bislang nur noch nicht genügend Zeit hatte um den vollen Betrag aufzubringen. Ist genügend Eigenkapital vorhanden werden auch noch weitere Faktoren überprüft ehe ein Kredit gewährt wird.

Kommt es aus etwaigen Gründen dazu, dass die Kreditinstitute einen Kredit nicht gewähren, kann sich der Kreditnehmer im privaten Sektor umgucken. Theoretisch kann sich jeder Mensch einen Kredit nehmen. Die Frage ist nur zu welchem Preis, also wie hoch der Zins ist. Je höher das Risiko für diejenigen, die den Kredit geben ist, umso höher wird der Zins angesetzt.

Bei Unternehmen kann es aber auch der Fall sein, dass sie sich einen Kredit zu niedrigen Zinsen nehmen wollen, da sie in eine Kapitalanlage zu hohen Habenzinsen investiert haben. Hier kommen die sogenannten Opportunitätskosten ins Spiel. Opportunitätskosten entstehen immer dann, wenn man mit seinem Geld etwas machen könnte, dass einen höheren Gewinn einbringt.

In der Praxis kann das dann folgendermaßen aussehen: Das Unternehmen hat einen Betrag von 100.000 Euro zur Verfügung welches es eigentlich zur gesetzlich verpflichteten Bildung von Rücklagen nutzen sollte. Doch zugleich ergibt sich eine Investitionsmöglichkeit bei der dieser Betrag zu 12 Prozent verzinst würde. Das leihen von Geld kostet zu diesem Zeitpunkt aber nur 5 Prozent. Also leiht sich das Unternehmen die 100.000 Euro für 5 Prozent und Reinvestiert sie für 12 Prozent. Das ergibt im Endeffekt ein Plus von 7 Prozent.

Dieses Beispiel ist sehr vereinfacht dargestellt und lässt viele beachtenswerte Faktoren außen vor. Doch zur Darstellung der Gründe, die für das Nehmen eines Kredits sprechen sollten die Ausführungen ausreichen.

Dementsprechend können zwei Motivationen festgehalten werden, warum Privatleute wie Unternehmen darauf zurückgreifen sich Kredite zu nehmen. Zum Einen liegt die Notwendigkeit in einem Mangel an Eigenkapital begründet und zum Anderen in finanzwirtschaftlichen Kalkulationen. Der Eine braucht das Geld um sich bestimmte Dinge leisten zu können und der Andere will das Geld um bestimmte Investitionen tätigen zu können!

ing-dibaJetzt direkt ING-DiBa Kreditangebot anfordern

3. Rechtliche Grundlagen von Kreditverträgen

Bei Kreditverträgen handelt es sich um Fragen des Schuldrechts. Daher können Kreditverträge frei nach Belieben der Vertragsparteien ausgestaltet sein. Schutz erfährt der Schuldner durch den § 138 BGB indem das Sittenwidrige Rechtsgeschäft der Wucher thematisiert wird.

Der Kreditgeber hat bei der Kreditvergabe ein paar Dinge zu beachten.

Anforderungen an den Kreditgeber

In dem Ratgeber „Kreditvertrag mittels Muster, Vorlagen & Vordrucke zum Download“ finden Sie nähere Informationen wie ein Kreditvertrag auszusehen hat. Zudem stehen hier wichtige Hinweise welche Faktoren es im Vorfeld abzuklären gilt um keine bösen Überraschungen zu erleben. Im Wesentlichen handelt es sich hier um die Regelung von Ratenzahlungen, was bei Zahlungsverzug geschieht und welche Sicherheiten hinterlegt werden.

4. Das Fazit: Bei Kreditverträgen kann es Win-Win-Situationen geben.

icon_FazitKreditverträge können für beide Seiten Vorteile bringen. In dem Fall spricht man von Win-Win-Situationen. Dies kann zum Einen der Fall sein, wenn sich private Kreditgeber und –nehmer kennen und einen Zins unterhalb der marktüblichen Sollzinsen und oberhalb der marktüblichen Habenzinsen wählen. Unternehmen können von Krediten profitieren, wenn sich bessere Investitionsmöglichkeiten ergeben und der Kreditgeber gleichzeitig den marktüblichen Sollzins gezahlt bekommt.

ing-dibaJetzt direkt ING-DiBa Kreditangebot anfordern