Kredit bei einer Scheidung: Schulden in Zugewinn-Gemeinschaften

Kredit oder DebitkarteDer Zusammenhang von Krediten und Scheidungen kann aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden.

Zum Einen kann es sein, dass die Scheidung an sich mittels Kredit finanziert werden muss.

Zum Anderen müssen bei einer Scheidung auch laufende Kredite unter den Parteien aufgeteilt werden.

Alle Fakten zum Ratgeber „Kredit Scheidung“ im Überblick:

  • Auch eine Scheidung kostet Geld, das aufgebracht werden muss. Ein Kleinkredit bei der Bank kann da helfen.
  • Bei bestehenden Krediten kommt es darauf an, welcher der Ehepartner im Kreditvertrag verzeichnet ist.
  • Kredite können umgeschrieben oder von beiden Seiten bedient werden.

Doch was passiert bei einem Kredit bei Scheidung? Unser Ratgeber zum Thema Kredit Scheidung verrät es!

Inhaltsverzeichnis

  • 1. Der Kredit finanziert die Scheidung
  • 2. Wie scheidet man einen Kredit?
  • 3. Theorie und Praxis: Das Recht in die Tat umsetzen
    • Beispiel 1: Das klassische Rollenbild und der Immobilienkredit
    • Beispiel 2: Die moderne Partnerschaft und die Autofinanzierung
    • Beispiel 3: Die Selbstständigkeit und Immobilienkredite
    • Beispiel 4: Alte Schulden
  • 4. Das Fazit: Die gütliche Trennung kann auch bei Krediten funktionieren

1. Der Kredit finanziert die Scheidung

icon_gebuehrenEine Scheidung ist eine emotional aufwühlende Geschichte. Zwei Menschen, die eine gemeinsame Zukunft geplant haben, möchten auf einmal getrennte Wege gehen. Neben dem emotionalen Balast, der gegeneinander aufgerechnet wird, kommen Betroffene auch schnell an den Punkt, wo die finanziellen Reserven nicht mehr ausreichen. Eine Scheidung kann teuer werden. Selbst bei der günstigsten Version – einer einvernehmlichen Trennung – müssen Gerichtskosten und Anwaltskosten bezahlt werden. Ehen dürfen in Deutschland nur vor Gericht geschieden werden, dies schließt wiederum die Notwendigkeit eines Anwalts mit ein.

Die Kosten des Verfahrens werden an der Höhe des „Streitwerts“ festgemacht. Hier werden mehrere Faktoren berücksichtigt. Hierzu zählen das Nettoeinkommen beider Parteien, die Anzahl der unterhaltsberechtigten Kinder, das in der Ehe erwirtschaftete Vermögen, sowie der Versorgungsausgleich, wenn dieser nicht in einem notariell beglaubigten Ehevertrag ausgeschlossen wurde.

Bei weniger einvernehmlichen Scheidungen können die Kosten hingegen ungeahnte Höhen erreichen. Hier wären die zusätzlichen Kosten für verschiedene Anwälte zu nennen, das Verfahren würde aufgrund von Schlichtungsgesprächen länger dauern und Objekte wie Häuser, Autos, Yachten und Kunstgegenstände müssten von einem Gutachter geschätzt werden. Summa summarum könnte hier sogar der Scheidungsprozess den Zugewinn des Streitwerts auffressen.

Doch die Hartnäckigkeit muss von irgendjemandem bezahlt werden. Kleinere Summen von 2.000 bis 3.000 Euro können mit kurzfristigen Krediten beglichen werden. Es gibt auch die Möglichkeit Gerichtskosten zu stunden – aufzuschieben – und so das Geld über einen Zeitraum anzusparen.

Geringverdiener können beim Staat auch die sogenannte „Beratungshilfe“ in Anspruch nehmen. Diese wird noch vor der ersten Beratung durch den Anwalt beim zuständigen Amtsgericht beantragt. Egal ob bei einem Kredit durch eine Bank oder den Staat: die Kreditwürdigkeit wird auch bei Scheidungen genauestens überprüft. Auch an dieser Stelle könnte sonst der gute Wille mehr Schaden als Nutzen für alle beteiligten bringen.

2. Wie scheidet man einen Kredit?

icon_VerbrauchertippsKredite fallen unter das Schuldrecht. Damit sind von einem Kreditvertrag auch nur diejenigen betroffen, die in den Verträgen als Vertragspartner erwähnt werden. Ist also nur einer der Ehepartner in dem Kreditvertrag erwähnt, wird auch nur er im Falle einer Scheidung zur Verantwortung gezogen. Sind beide Ehepartner im Kreditvertrag als Schuldner angegeben, gilt es zwischen den Parteien eine Einigung zu finden. Grundsätzlich kann es dem Gläubiger egal sein, von welchem der Ehepartner die monatlichen Raten beglichen werden. So werden sich die Parteien selber bei der Lösung des Zahlungsproblems helfen müssen.

Die Frage nach dem Besitz von Haus und Schulden

Wer nimmt das Haus und wer die Schulden?

Auch ist es im Falle eines Immobilienkredits für den Gläubiger vollkommen uninteressant, ob der als Schuldner eingetragene Ehepartner noch die Immobilie bewohnt oder nicht. Allein die Unterschrift unter dem Kreditvertrag ist relevant und rechtskräftig. Als Lösung des Problems bieten sich diverse Modelle an. Am saubersten wäre es, den Kredit auf denjenigen zu überschreiben, der das ehemals gemeinsame Eigenheim auch weiterhin bezieht. Ist dies aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich, kann der zur Zahlung verpflichtete Ehepartner einen Teil der Ratenzahlung von der Unterhaltszahlung abziehen.

So schön die Vorstellung für viele gehörnte oder auch finanziell betrogene Ehepartner auch sein mag, die gemeinsamen Schulden dem Missetäter aufzudrücken, in der Realität siegt das juristische Recht. Im Schuldrecht ist die Frage nach dem Schuldigen irrelevant. Hier zählt einzig und allein die Unterschrift unter dem Kreditvertrag.

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3. Theorie und Praxis: Das Recht in die Tat umsetzen

In der Praxis kann die Theorie folgendermaßen aussehen.

Vier Ausgangssituationen einer Scheidung

Vier mögliche Ausgangssituationen bei einer Scheidung

Beispiel 1: Das klassische Rollenbild und der Immobilienkredit

icon_KonditionenDer Mann als Alleinverdiener und die Frau als Hausfrau und Mutter haben gemeinsam einen Kredit aufgenommen. Die Kinder sind zum Zeitpunkt der Scheidung gerade 10 und 12 und hängen am Haus, der Nachbarschaft und womöglich der guten Verkehrsanbindung. Die Mutter möchte das Haus zum Wohle der Kinder nicht verlassen.

Der Bank ist ziemlich egal, wie die Ratenzahlungen beglichen werden. Laut Rechtslage sind beide Partner zum Schuldenausgleich gleichermaßen verpflichtet. Sollte der Mann nach wie vor für alle Raten aufkommen – zum Wohle der Kinder – kann er die Kosten anteilig vom Unterhalt der Frau abziehen.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Frau – deren Kinder ja nun aus dem gröbsten raus sind – sich Arbeit sucht und Miete an ihren Ex-Ehemann zahlt. In dem Fall würden sich die Ex-Ehepartner den Kredit auch wirklich teilen, da bei der Variante des Unterhalts die Kredittilgung nur anteilig angerechnet werden kann.

Beispiel 2: Die moderne Partnerschaft und die Autofinanzierung

Beide Partner gehen Vollzeit arbeiten und können sich das Abzahlen des Kredits für ein Auto erlauben. Auch hier ist derjenige zu Zahlungen verpflichtet, der den Kredit unterschrieben hat. Sind beide Parteien aufgeführt, müssen auch beide Parteien Zahlungen leisten. Ein Auto ist zumeist weniger mit Emotionen behaftet als ein Wohneigentum. Beim Autokauf ist dem Käufer bereits die Endlichkeit bewusst. Die meisten Deutschen besitzen im Laufe ihres Lebens mehrere Autos.

Daher sollte sich an dieser Stelle überlegt werden, ob die Übertragung des Kredits auf denjenigen Partner, der das Auto übernimmt nicht am sinnvollsten ist. Nur weil der Kredit von beiden unterschrieben wurde, heißt es nicht, dass auch beide als Eigentümer eingetragen sind. Bei Haus- und Autokauf können die Besitzer sogar von den Kreditnehmern abweichen. Gerade beim Auto kann man sich viel Leid und Nerven mit der Überschreibung des Kredits und eventuell auch der Eigentumsübertretung sparen.

Beispiel 3: Die Selbstständigkeit und Immobilienkredite

icon_vorlage_musterSelbstständige Geschäftsführer haben es oftmals schwer einen Kredit für eine Immobilie zu bekommen. Sie müssen oft bereits Zahlungen aufgrund der Geschäftstätigkeit nachkommen. Dadurch sind sie schnell überschuldet und ein weiterer Kredit würde ihre Zahlungsfähigkeit gefährden.

Daher ist es in diesem Fall üblich, dass Immobilienkredite auf den Namen der Ehefrau laufen. Wenn man davon ausgeht, dass die Ehefrau im gemeinsamen Betrieb mitarbeitet und den Kredit abzuzahlen hat, kommt es im Falle einer Scheidung zu einem Sonderfall im Schuldrecht. Der Ehemann wird zur Zahlung verpflichtet, obwohl er nicht im Kreditvertrag erwähnt wird.

Da beide Partner ihre Kraft und Energie in den Erhalt des gemeinsamen Geschäfts stecken, müssen auch beide weiterhin für den Kredit aufkommen.

Beispiel 4: Alte Schulden

Bringt einer der Partner bereits einen Berg von Schulden mit in die Ehe, der währenddessen beglichen wird, können diese Zahlungen bei der Einkommenserfassung abgezogen werden. Damit verringert sich die Bemessungsgrundlage für die Unterhaltszahlungen.

Im Volksmund spricht man oft von „sich arm rechnen“. Gerade Selbstständige neigen zu solchen Tricks, um den nunmehr ungeliebten Ex-Partner nicht weiterhin mitfinanzieren zu müssen. Im Falle von Kreditrückzahlungen kann das über kurz oder lang zum Zwangsverkauf von Immobilien und anderen Objekten führen. Eine Alternative zum Verkauf würde das Vermieten des Wohneigentums bieten. Hier wäre dann sogar mit Mieteinkünften zu rechnen, die ebenfalls unter den Kreditnehmern aufgeteilt werden müsste.

4. Das Fazit: Die gütliche Trennung kann auch bei Krediten funktionieren

icon_FazitIm Falle von positiv erwirtschafteten Einkommen gelten Ehen als Zugewinngemeinschafte, deren Gewinn nach dem Ende einer Ehe aufgeteilt werden muss. Im Falle von Krediten liegt der Fall anders. Schulden gelten nur dann als teilbar, wenn auch beide Ehepartner im Kreditvertrag erwähnt werden. Daher sollte auch mit einer rosaroten Brille immer Vorsicht beim unterschreiben eines Kredits geboten sein. Man kann zwar davon ausgehen, dass Banken den Immobilienkredit nicht allein auf die einkommenslose Hausfrau laufen lassen werden, aber es gibt auch andere Kreditgeber.

Oftmals gibt es selbst in ausweglosen Situationen Lösungen. Mit einem klaren Kopf und Offenheit für gute Ratschläge dürfte sich in den meisten Fällen eine Lösung finden lassen. Schwierig wird es erst, wenn die Emotionen hochkochen und der gütlichen Einigung Rachegelüste gegenüberstehen. Im Falle eines Rosenkrieges ist die einfachste Lösung der Hausverkauf. Auch hier sollte man nicht allzu lange warten, da die letzte Konsequenz die Teilungsversteigerung ist. Bei dieser Zwangsversteigerung werden zumeist enorme Verluste eingefahren, die es im Vorfeld durch kluges Handeln zu Vermeiden gilt.

Eine gütliche Trennung schont nicht nur das Nervenkostüm der Scheidenden und Angehörigen, sondern auch den Geldbeute. Neben zusätzlichen Anwaltskosten und Gutachterhonoraren können auch sinnvolle Einigungen mit den Gläubigern getroffen werden.

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