Kredit vom Arbeitgeber: Der Chef, ihr Gläubiger und Förderer

Kredit vom ArbeitgeberEin Arbeitgeberkredit ist nicht nur eine Möglichkeit, wenn die Banken den Kreditantrag ausschlagen. Er ist auch für diejenigen geeignet, die sich günstigere Konditionen für ihren Kredit sichern wollen. Arbeitgeber haben bei der Vergabe von Krediten einen gewissen Spielraum, den es auszunutzen gilt.

Es ist jedoch Vorsicht geboten, damit sich die Vorteile nicht in steuerliche Nachteile wandeln.

Alle Fakten zum Ratgeber „Kredit vom Arbeitgeber“ im Überblick:

  • Der frühere Lohnvorschuss kann als Kreditzahlung oder Zinszuschuss erfolgen.
  • Es ergeben sich Vor-und Nachteile im emotionalen, rationalen und steuerlichen Bereich.
  • Auch ein Arbeitgeberkredit muss bestimmte Punkte in seinem Kreditvertrag aufführen:
    • Benennung der Parteien
    • Höhe der Kreditsumme
    • Zinssatz
    • Laufzeit
    • Regelungen bei Kündigung

Doch was für Möglichkeiten stecken hinter den Angeboten für Kredite vom Arbeitgeber? Unser Ratgeber zum Thema Kredit vom Arbeitgeber verrät es!

Inhaltsverzeichnis

  • 1. Was ist ein Arbeitgeberkredit
  • 2. Welche Vor- und Nachteile ergeben sich?
    • Der emotionale Faktor
    • Der steuerliche Faktor
    • Der rationale Faktor
  • 3. Diese fünf Punkte müssen im Vertrag beachtet werden
  • 4. Das Fazit: Ein Arbeitgeberkredit ist nichts für jedermann!

1. Was ist ein Arbeitgeberkredit

icon_vorlage_musterWie das Wort bereits treffend beschreibt, werden Arbeitgeberkredite vom Arbeitgeber gewährt. Hierbei handelt es sich um Zahlungen, die außerhalb der vertraglichen Vereinbarungen gezahlt werden. Vorschüsse für Reisekosten gehören demzufolge nicht dazu.

Bereits seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte ist es üblich seinen Dienstherrn, heute Arbeitgeber, in Zeiten von Not um Hilfe zu bitten. Früher brachten unerwartete Erkrankungen, Hungersnöte oder Stadtbrände die Menschen in die unangenehme Situation sich Geld leihen zu müssen. Das Leihen bei unbekannten Dritten war schon immer mit enormen Zinsen verbunden. Seit der Einführung von Versicherungen sind zumindest in Deutschland solche Verwendungszwecke seltener geworden. Hier geht es zumeist um die Anschaffung von PKWs, Wohnungseigentum oder Luxusgütern.

Der Arbeitgeberkredit in seiner modernen Form kann so aussehen, dass entweder eine Kreditzahlung vom Arbeitgeber an den Arbeitnehmer erfolgt, die monatlich erstattet wird oder, dass der Arbeitnehmer Zinszuschüsse an die Bank zahlt. Der Zinszuschuss ist in voller Höhe als Arbeitslohn zu versteuern. Das Arbeitgeberdarlehen bietet jedoch steuerliche Vorteile. Doch nicht jeder Arbeitgeber ist in der Lage seinen Arbeitnehmern einen Kredit zu gewähren. Gerade kleinere Betriebe kämpfen oft selber um jeden Cent. Für sie ist es unmöglich einen Kredit zu gewähren oder Zinszuschüsse zu leisten. Größere Unternehmen können sich solch ein Entgegenkommen gegenüber dem Arbeitnehmer schon eher erlauben.

Angestellte im öffentlichen Dienst haben da größere Chancen. Hier gibt es sogar Portale in denen Angestellte selber herausfinden können, ob sie für einen Arbeitgeberkredit in Frage kommen oder nicht. Von dieser Regel profitieren nicht nur Beamte, sonder auch Angestellte im öffentlichen Dienst. Ist der Arbeitnehmer bei einer Bank oder einer Versicherung beschäftigt, stehen die Chancen für ein Arbeitgeberdarlehen ebenfalls gut. Die Schuldner und Gläubiger sitzen sozusagen direkt an der Quelle und können vom gegenseitigen Wissen profitieren.

Arbeitgeberkredite zeichnen sich dadurch aus, dass sie vom Arbeitgeber genehmigt werden. Dies kann in Form einer Kreditzahlung oder in Form von Zinszuschüssen bei Bankdarlehen stattfinden. Dabei sind steuerrechtliche Aspekte zu berücksichtigen.

2. Welche Vor- und Nachteile ergeben sich?

Solch ein Arbeitgeberdarlehen kann für beide Seiten Vor- und Nachteile mit sich bringen. Zudem kann des Einen Vor- des Anderen Nachteil sein. Im Vorfeld sollten sich dazu einige Gedanken gemacht werden.

Der emotionale Faktor

Auf der emotionalen Ebene gibt es mehrere Dinge, die Einfluss auf die Entscheidung für oder gegen einen Kredit haben können. Da wäre zum Einen die Abhängigkeit des Arbeitnehmers vom Arbeitgeber. Während der Arbeitgeber sich hier die Loyalität seines Mitarbeiters zu sichern glaubt, kann diese Zwangsbindung den Arbeitnehmer verunsichern. Der Arbeitnehmer hat von nun an nicht mehr die Möglichkeit die Segel zu streichen, wenn er ein besseres Angebot erhält. Er muss dann mit den entsprechenden Konsequenzen rechnen.

Gerade in der heutigen Zeit, wo jeder zu Flexibilität angehalten wird und bereits diverse Jobwechsel in jede Lebensplanung mit eingebaut sind, können solche Bindungen zu Beklemmungen führen. Im Gegensatz zu der Großelterngeneration sind die Arbeitnehmer von heute nicht mehr so sehr auf ihren Arbeitgeber fixiert.

So ist die enge Bindung an das Unternehmen für den Arbeitgeber von Vorteil, aber für den Arbeitnehmer eventuell von Nachteil. Anders herum wird der Arbeitgeber es sich im Fall von betrieblich notwendigen Kündigungen vermutlich überlegen, ob er den Schuldner oder den Kollegen kündigen soll. Bei einer Kündigung steigt das Risiko, dass der Kredit mangels Einkommen nicht abbezahlt werden kann.

Ein weiterer Aspekt ist die emotionale Bindung, die tatsächlich aufgebaut wird. In dem Moment, wo ein anderer um einen Gefallen gebeten wird, entsteht eine Beziehung im positiven Sinne. Wir signalisieren dem Gegenüber, dass wir seine Hilfe brauchen und wollen. Das führt selbst bei Geldfragen zu einer positiven Stimmung und wird als „Benjamin-Franklin-Effekt“ bezeichnet.

Natürlich wird der Finanzchef, der den Kredit bewilligt dadurch nicht dazu hingerissen, die Freizeit mit dem Schuldner verbringen zu wollen. Aber gerade in großen Firmen kann es viel Wert sein, wenn ihm der Name schon mal bekannt vorkommt. Und einen Arbeitgeberkredit zu beantragen kann unter Umständen sogar von einer gewissen Klugheit zeugen.

Der steuerliche Faktor

icon_gebuehrenBeschäftigt man sich nämlich mit dem Thema Steuern, wird man alsbald feststellen, dass man unter gewissen Umständen mit einem Arbeitgeberkredit besser fährt als mit einem Bankkredit. Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitern günstigere Zinsen gewähren als die Banken. Die vergünstigten Zinsen dürfen jedoch nur 4 Prozent unter den von der Deutschen Bundesbank veröffentlichten Effektivzinssätzen liegen. Vor Vertragsabschluss sind diese sicherheitshalber hinzuzuziehen und dem Finanzamt im Zuge der Einkommenssteuer-Erklärung beizulegen.

4 Prozent meint im Übrigen nicht 4 Prozentpunkte, sondern die tatsächlichen 4 Prozent des Effektivzinses. Geht man in einem Beispiel davon aus, dass der veröffentlichte Effektivzins bei 5,2% liegt, darf der Arbeitgeber also die 4,99 Prozent nicht unterschreiten. Je nach Höhe des Kredits spielt diese Regelung jedoch auch keine Rolle, da jedem Kreditnehmer in diesem Fall ein Freibetrag von monatlich 44 Euro zusteht. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen monatlichen Zinsvorteil von bis zu 44 Euro gewähren kann, ohne, dass steuerrechtliche Konsequenzen drohen.

Zinszuschüsse hingegen werden als Lohnzahlung gewertet und müssen deshalb in vollem Umfang als Bruttolohn in der Einkommenssteuererklärung aufgeführt werden. Entsprechend der Steuerklasse erfolgt dann die Versteuerung.

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Der rationale Faktor

Für den Arbeitgeber ist die Vergabe insofern mit weniger Risiko behaftet, als das er die Möglichkeit einen Teil des Arbeitslohns einzubehalten falls der Schuldner mit den Kredittilgungen in Verzug gerät. Zudem hat er Einblick auf die Lohnhöhe und geplante Gehaltserhöhungen und kann somit besser abschätzen, ob ein Kredit abbezahlt werden kann oder nicht.

Gerade aufgrund der Zusammenarbeit kann der Arbeitgeber einschätzen ob der Arbeitnehmer zu den zuverlässigeren Personen gehört oder eher als Lebemann angesehen werden muss. Unzuverlässigen Mitarbeitern, die ständig zu spät kommen, ihre Aufträge nicht oder nur ausreichend erledigen, werden bezüglich Arbeitgeberkrediten bei ihren Arbeitgebern auf taube Ohren stoßen.

Für beide Parteien gibt es einen großen Risikofaktor: Was geschieht bei Kündigung? Grundsätzlich ist da zu unterscheiden, ob es sich um eine schuldhafte Kündigung handelt. Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer aufgrund seines Fehlverhaltens gekündigt wurde. In diesem Fall darf der Gläubiger die sofortige Rückzahlung des Kredits verlangen. Sollte es sich um eine rechtmäßige Kündigung aufgrund von Krankheit, Jobwechsel oder betriebsbedingter Kündigung handeln, sind die im Kreditvertrag gemachten Regelungen einzuhalten.

Faktoren, die die Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeberkredit beeinflussen können

Faktoren, die für oder gegen einen Arbeitgeberkredit sprechen können

3. Diese fünf Punkte müssen im Vertrag beachtet werden

icon_KonditionenDas Bundesministerium für Finanzen hat inzwischen definiert, wann es sich um einen Lohnvorschuss im Sinne eines Arbeitgeberdarlehens handelt: Immer dann, wenn es sich um außerplanmäßige Zahlungen handelt.

Zunächst müssen in einem Kreditvertrag alle Parteien genannt werden. Dies sind hier der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer.

Es folgt die Höhe der Kreditsumme auf die sich der Vertrag beläuft. Damit ist nicht die gesamte Rückzahlungssummer, sondern die Auszahlungssumme gemeint.

Nun muss der Zins festgelegt werden, zu dem das Darlehen vom Arbeitgeber erkauft wird. Nochmal: Der Arbeitgeber muss keine Zinsen verlangen. Liegt die monatliche Zinseinsparung jedoch über 44 Euro oder liegt der Zins unter 4 Prozent des marktüblichen Effektivzins werden alle darüber hinauslaufenden Beträge als Gehaltserhöhung gewertet und müssen versteuert werden.

Die Laufzeit sollte festgelegt werden, auch wenn Änderungen offen gehalten werden. So hat man zumindest einen Anhaltspunkt bei zukünftigen Verhandlungen. Gerade im Kreditgeschäft muss man immer mit Komplikationen rechnen.

Zuletzt folgt ein kritischer Punkt: Auch wenn das Vertrauen bei Vertragsabschluss in den jeweils anderen so groß ist, dass Geld verliehen wird: Morgen kann es bereits ganz anders aussehen. Es ist unbedingt notwendig, dass in dem Kreditvertrag Regelungen getroffen werden, was im Fall einer Kündigung zu erfolgen hat. Gerade wenn die Laufzeiten länger sind, ist dieser Schritt unumgänglich. Als üblich gilt es sich bei Vertragsende auf den marktüblichen Zins festzulegen. Dass der Arbeitgeber keine günstigeren Kredite mehr bei Kündigung gewährt, ist nachvollziehbar. Mittels dieser Klausel kann sich der Kreditnehmer jedoch vor überteuerten Zinszahlungen schützen und einer sofortigen Rückzahlungsaufforderung aus dem Weg gehen.

Auflistung der 5 Punkte, die ein Kreditvertrag enthalten muss.

Diese Kriterien sollten in einem Kreditvertrag enthalten sein.

4. Das Fazit: Ein Arbeitgeberkredit ist nichts für jedermann!

icon_FazitSchließt man einen Arbeitgeberkredit ab, muss man sich darüber im Klaren sein, dass man sich in eine noch größere Abhängigkeit hineinbegibt. Der Arbeitgeber wird den Arbeitnehmer unter Umständen genauso auf Herz und Nieren prüfen, wie eine Bank. Gerade wenn Kredite aufgrund negativer Schufa-Einträge abgelehnt wurde, kann diese Offenbarung vor dem Arbeitgeber unangenehm sein.

Allerdings ist hier zu bedenken, dass der Arbeitgeber seine Arbeitnehmer aufgrund seiner Arbeitsleistung und nicht wegen seiner Vergangenheit beschäftigt. Der Arbeitgeber erhofft sich Loyalität, der Arbeitnehmer einen günstigen Kredit. Hierbei müssen steuerliche Faktoren berücksichtigt werden. Der Abschluss des Kreditvertrages sollte Raum für Anpassungen und Änderungen lassen.

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